1912-1913: Gründung der DLRG

28.07.1912: Es begann mit einer Katastrophe
"In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das Ertrinken 'in Mode'. Pro Jahr verloren etwa fünftausend Menschen im Wasser ihr Leben und nur zwei bis drei Prozent der damaligen Bevölkerung konnten schwimmen. (...)

Am 28. Juli 1912, es war ein sonniger Sonntag, brach gegen 19 Uhr die Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz auf Rügen. 70 bis 80 Menschen stürzten ins Wasser und 16 Personen, darunter zwei Kinder, ertranken in der Ostsee." [1]

19.10.1913: Gründung der DLRG
"(...) am 19. Oktober 1913, wird im Leipziger Hotel 'de prusse' die DLRG ins Leben gerufen. Zum Ende des Gründungsjahres zählt die junge Organisation 435 Mitglieder (...)" [1]

(Die weitere Entwicklung der DLRG in Deutschland kann man hier nachlesen.)

 

 

1908-1927: Schwimmsport in Kaiserslautern

Wenn man den Bericht über Katastrophe von Binz liest, stimmt es schon nachdenklich, dass nur 2-3 % der Bevölkerung schwimmen konnten.
Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass man sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Kaiserslautern, fernab von großen Gewässern, um den Schwimmsport bemühte.

04.06.1908: Eröffnung der Waschmühle
Unterstützt durch potente Geldgeber wurde 1908 die "Waschmühle" eröffnet. Mit über 10.000 m² Wasseroberfläche und einer Bahnlänge von 165,3 m sollte sie lange Zeit das größte Freibad Europas bleiben.

1911, 1924: Gründung der Schwimmvereine Poseidon und Rot-Weiß
Schließlich kam es 1911 zur Gründung des Schimmvereins Poseidon und 1924 zur Gründung des Schwimmvereins Rot-Weiß. Später wurden beide Vereine zum heute noch bestehenden Kaiserslauterer SchwimmKlub (KSK) vereint. [2]

Einige Mitglieder der Schwimmvereine waren gleichzeitig auch als Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz tätig. Da bei der DLRG neben dem Schwimmsport auch der Rettungsgedanke steht, lagen hier ideale personelle Voraussetzungen vor. Es reifte die Idee, in Kaiserslautern eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen. [2]

 

 

1927-1933: Die ersten Jahre der Ortsgruppe Kaiserslautern

1927: Gründung der Ortsgruppe Kaiserslautern
"1927 war es dann soweit. Karl Müller mit seiner Familie gründete zusammen mit Walter Hoffman, Paul Guckenbiehl und Ludwig Bläsy die Ortsgruppe. Karl war der 1. Vorsitzende, sein Sohn Hans der Kassenführer und Ludwig, 18 Jahre alt der Schriftführer. (...) Guckenbiehl war Schwimmmeister an der Waschmühle, so dass sofort mit der Ausbildung zum Grund- und Leistungsschein angefangen werden konnte. Als Hilfsmaterial dienten Korken mit Gurt, und auch Ledergeschirr mit Tauen, Haken und Schienen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Bei Tauchübungen wurden weiße Schüsseln mit einem Loch in der Mitte oder Steine, in weißen Tüchern gewickelt, ins Wasser geworfen." [2]

"Eintrittsgeld wurde von keinem Badbesucher erhoben. Nur die Einzelkabinen kosteten etwas. Gegen eine geringe Gebühr konnten wir bei dem Bademeister, Herrn Franck, unsere Bademäntel, Handtücher und Badehosen abgeben und beim nächsten Besuch alles wieder getrocknet in Empfang nehmen. Die meisten waren dann als Fußgänger nach Hause gegangen, für viele ein weiter Weg." [2]

Ludwig Bläsy berichtet davon, wie Bad und Liegewiese zweigeteilt waren durch einen geschlossenen Bretterzaun, links für die Damen und rechts für die Herren, und dass man oft Jungen an Astlöchern sah im Versuch, etwas von der anderen Seite zu erspähen. "Um unseren Damen und Mädchen Gelegenheit zu geben, am Training teilzunehmen, erlaubte die Stadtverwaltung, dass diese an bestimmen Tagen und zu bestimmten Zeiten das Herrenbad betreten durften. Nach absolviertem Training mussten sie wieder ins Damenbad zurück." [2]

 

 

1933-1945: Diktatur und zweiter Weltkrieg

"Während des Dritten Reiches verfügte die Ortsgruppe Kaiserslautern bereits über eine 20 Mann starke Einsatzwache, die Wachdienst an den Weihern rund um Kaiserslautern schob. Schon damals war jedoch der Stützpunkt der DLRG an der Waschmühle." [3]

1938: Umbenennung in D.L.R.G.
1938 zum 25jährigen Bestehen wurde die DLRG im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft (D. L. R. G.) umbenannt. [1]

1940: Einstellung der Tätigkeiten in Kaiserslautern
In Folge der Kriegsereignisse konnte 13 Jahre nach der Gründung die Ortsgruppe Kaiserslautern nicht mehr weiterarbeiten. [2]

1944/1945: Vernichtung der Unterlagen
Alle Dokumente aus den Gründungsjahren waren mit Hakenkreuzstempel versehen. Aus Angst vor den Amerikanern hatte man sämtliche Unterlagen vergraben. Die Dokumente waren später nicht mehr auffindbar. Alle Informationen zu den Gründungsjahren sind daher nur mündlich überliefert. [2][3]

 

 

1947-1951: Neubeginn

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein Vereinsverbot verhängt. Allerdings wurde schon bald von den westlichen Besatzungsmächten wieder eine Erlaubnis zur Weiterarbeit erteilt.

1947: Erneute Umbenennung
Auf ihrer ersten Hauptversammlung (1947) nach dem Zweiten Weltkrieg benannte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft (D. L. R. G.) sich wieder in Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) um.

1950: Neubeginn in Kaiserslautern
Nachdem 1949 das Vereinsverbot aufgehoben worden war, wurde 1950 die Ortsgruppe Kaiserslautern neu gegründet. Erster Vorsitzender nach dem Krieg war Dr. Hamann.

 

 

1951 bis heute

1973: Bezirksneuordnung
Mit Gründung des Bezirks Westpfalz sind auch eine Reihe von Ortsgruppen neu entstanden, unter anderem die OGs Rodenbach-Weilerbach, Otterberg, Hirschhorn, Waldfischbach und andere.
Für die Ortsgruppe Kaiserslautern bedeutete dies zwar ein Mitgliederschwund, auch wurden im Vergleich zu früher weniger Prüfungen in Kaiserslautern abgenommen. Insgesamt kam es jedoch durch die neu gegründeten Ortsgruppen zu einem erheblichen Mitgliederzuwachs in der Westpfalz. [2]

2004: Schließung des städtischen Hallenbades
Das nach dem Krieg erbaute städtische Hallenbad war in die Jahre gekommen, es bestand erheblicher Sanierungsbedarf. Auch in Kaiserslautern suchte man, dem Trend anderer Städte folgend, nach einem Privatinvestor. In der Festschrift von 2002 äußerte man noch Befürchtungen, dass das Training zugunsten eines Spaßbades nicht mehr möglich sei. [4]
Inzwischen trainiert die DLRG neben anderen Vereinen und Schulklassen seit über 10 Jahren im Monte Mare.

2014/15: Neues Vereinsheim
2013 hat die Ortsgruppe Kaiserslautern Gelände und Vereinsheim des ehemaligen Pudelklubs übernommen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten erfolgte die Einweihung am 10.05.2015. Für die Durchführung der Theoretischen Schulung und auch für die Vereinsarbeit stehen jetzt wieder dauerhaft Räumlichkeiten zur Verfügung.

Zukunftaussichten
Erklärtes Ziel der DLRG ist es, die Zahl der Ertrinkungstoten weiter zu senken. Nach einem Bauboom der 1970er kommt es aber leider zunehmend zu einer Schließung von Schwimmbädern, auch in der Westpfalz.
Glücklicherweise verfügt die Ortsgruppe Kaiserslautern derzeit über ausreichende Übungskapazitäten, so dass der in Deutschland vorherschende Trend der Schwimmbadschließungen hier nicht verspürbar ist.

 

 

Vorsitzende der Ortsgruppe Kaiserslautern

1927 - ? Karl Müller
Gleichschaltung
Nachkriegsverbot
1950 Dr. Hamann
1950 - 1956 Karl Müller
1956 - 1970 Wilhelm Weber Geschäftsführer: Herbert Ruge
1970 - 1975 Herbert Ruge
1975 - 1976 Robert Bügler
1976 - 1981 Hans Habermann
1981 - 1991 Gerhard Christ
1991 - 2011 Dr. Tonnis Pool
seit 2011 Annette Zacher

 

 

Literatur

[1] Homepage der Bundesgliederung

[2] Festschrift der Ortsgruppe Kaiserslautern 1997

[3] Rheinpfalz 29.09.87 in [4] Seite 10

[4] Festschrift der Ortsgruppe Kaiserslautern 2004